Taschentücher im Turnbeutel

Zum Saisonkehraus gibt es in jeder Sportart feste Rituale. Eins ist, verdiente Spieler und Trainer zu verabschieden. Beim Frauenhandball-Drittligisten PSV Recklinghausen kommt Samstag alles zusammen.

Viel spricht dafür, dass zum Heimspiel gegen Werder Bremen (17 Uhr) neben Turnschuhen und Harztopf auch jede Menge Taschentücher in den Sporttaschen liegen werden.
Frauke Korfsmeier und Sandra Mroz sagen tschüss. Das steht seit einigen Wochen fest. Die „Trainermädchen“ schaffen den zeitlichen Aufwand für die 3. Liga nicht mehr.

Eine Träne im Knopfloch haben wird mit Sicherheit auch Anne Saxe, die sich vor einigen Wochen Meniskus und Kreuzband gerissen hat und die somit ihre aktive Laufbahn beenden muss.

Ausgerechnet „Säxi“! Die Rückraumspielerin, wegen ihres kraftvollen Eins-gegen-eins-Spiels gefürchtet, ist eine jener Spielerinnen, die viele Jahre das Gesicht der PSV geprägt haben. Die heute 34-Jährige war schon zu Zweitliga-Zeiten eine der Leistungsträgerinnen.

„13 Jahre PSV, immer hat sie die Knochen hingehalten… Dass sie die letzten Spiele nicht mitmachen durfte, hat sie mächtig gewurmt“, berichtet Teammanagerin Mareike Schüllenbach, die Samstag etliche Abschiedsgeschenke überreichen wird.

Zum Abschluss noch ein echtes Spitzenspiel

Die Liste derer, die nicht mehr für die PSV spielen werden, ist diesmal besonders lang. „Was aber nicht heißt, dass sie alle weg sind“, wie Mareike Schüllenbach betont. Die Trainerinnen werden ebenso in irgendeiner Form eingebunden bleiben wie Anne Saxe oder Jule Faeseke, die eine Pause einlegen wird.

Verabschiedet werden weitere langjährige Spielerinnen wie „Frau Spätschicht“ Sandra Wellsow, die beruflich eingespannt ist, oder Antje Beikirch, die aus gesundheitlichen Gründen in dieser Saison gar nicht zum Zuge kam.

Oder Steffi Willebrand, ehemals Reinhardt, die nach ihrer zweiten Babypause die Schuhe an den Nagel hängen wird. Dazu sucht Torfrau Leonie Bansberg eine neue Herausforderung. Der Verein hat bereits Ersatz gefunden und mit Anna Bandur (SG Überruhr) eine Nachfolgerin geholt.

Aber natürlich rankt sich Samstag vieles um das Trainerinnen-Duo Frauke Korfsmeier und Sandra Mroz, die für die meisten Spielerinnen mehr sind als nur die „Trainermädchen“. Teammanagerin Mareike Schüllenbach: „Der Erfolg dieser gesamten verrückten Truppe ist ihr Werk. Sie sind die größten Motivatoren, die der Verein je hatte.“

Dass der Nachfolger auf der Trainerbank, Burkhard Bell, ein schweres Erbe antreten wird, ist zu befürchten. Das Vertrauen in den Schermbecker ist bei der PSV aber groß. „Wenn’s einer schaffen kann, dann er. Ich glaube, dass er in vielen Dingen ähnlich gestrickt ist wie Frauke und Sandy“, sagt „Streika“, wie die Teammanagerin bei der PSV nur genannt wird.

Handball gespielt wird Samstag auch noch, und zum Saisonkehraus wird den Zuschauern nicht nur jede Menge Herzschmerz und Wehmut präsentiert, sondern ein echtes Spitzenspiel dazu. Der Tabellenvierte Werder Bremen kommt in die Halle Nord.

Mit einem Sieg mit mindestens zwölf Toren Differenz könnte die PSV an den Werderanerinnen in der Tabelle sogar noch vorbei hüpfen. Ein Sieg mit „nur“ sechs Toren Unterschied würde immerhin dazu führen, dass der Tabellenfünfte endlich sein Torkonto (742:748) ausgeglichen hätte. Aber egal wie, Hauptsache ein Sieg soll her, um den Abschied zu versüßen.

INFO PSV Recklinghausen - Werder Bremen; Sa., 17 Uhr – Halle Nord, Halterner Str.

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