Schach matt erst nach Mitternacht

Als die ersten Tränen bei den scheidenden Spielerinnen und Trainerinnen getrocknet waren, als die bedeutungslose 29:31 (15:12)-Niederlage der PSV-Handballerinnen gegen Werder Bremen verdaut und abgehakt war, da dröhnte es aus den Lautsprechern in der Halle Nord: „Schach matt…“

Nun ist gleichnamiger Schlager, gesungen von Roland Kaiser, kein Lied der klassischen Art von Fetenmusik. Und Schach matt war die Mädels-Combo erst viel später, weit nach Mitternacht nämlich, als die Saison endgültig bei einer gemeinsamen Fete begossen war. Gegen 2.30 Uhr, berichten verlässliche Zeugen, erst soll die Party zum erliegen gekommen sein.

 

Aber die mitunter kuriose Musikauswahl am Ende einer bemerkenswerten und in seinem Ende historischen Drittliga-Saison unterstrich vortrefflich, dass diese Mannschaft irgendwie etwas ganz Spezielles ist. Wo es sich sogar Landrat Cay Süberkrüb nicht nehmen lässt, zum Abschied rote Rosen zu verteilen.

Für Sandra Mroz und Frauke Korfsmeier gilt das ohnehin, die ihren Ausstand als Trainerinnen feierten und zugleich ankündigten, in Zukunft als Edel-Fans von der Tribüne aus weiter dabei zu sein. Vielleicht gleich neben Cay Süberkrüb? Im letzten Handballspiel der Saison war dabei von Wehmut und Abschiedsschmerz zunächst wenig zu sehen, auf dem Feld ging es gegen Bremen munter zur Sache.

Recklinghausen forderte den favorisierten Gegner von der Weser bis zur letzten Minute, hatte Pech, als Kathrin Huck beim Stande von 28:29 erneut den Pfosten traf statt ins Netz, sonst hätte es in der gut besuchten Halle Nord womöglich noch eine kleine Überraschung geben können.

Ergebnis des letzten Spiels juckt niemanden wirklich

„Wir haben sicher ein Stück weit über unseren Möglichkeiten und Bremen in der ersten Hälfte unter den Möglichkeiten gespielt“, meinte Frauke Korfsmeier. Richtig tangieren konnte die scheidende Trainerin Spiel und Resultat indes nicht. Dann eher schon das, was folgen sollte.

Die warmen Worte zum Abschied, die Umarmungen, die Gewissheit: Jetzt ist es vollbracht. Was den Trainerinnen einwandfrei auf der Höhe der Schaffenskraft gelungen ist.

„Ich glaube, wir haben den richtigen Zeitpunkt getroffen“, meinte Sandra Mroz. Beide übergeben eine intakte Mannschaft, die sogar die schlichtweg begeistert, die noch gar nicht so lange dabei sind und nicht über den Erfahrungsschatz einer Christina Weber oder Iris Schultz verfügen. Wie Kathrin Huck.

„Mir wurde im Vorfeld berichtet, dass ich mich hier wohl fühlen werde“, meinte die zu Saisonbeginn von Union Halle gekommene Rückraumspielerin. Für sie war das das alles entscheidende Argument. Spätestens in der Rückserie gehörte die 30-Jährige zu den auffälligsten und treffsichersten Spielerinnen bei der PSV. Ihr Verbleib in der neuen Saison war daher nur eine Formsache, denn: „Hier habe ich den Spaß am Handball wiedergefunden.“ Was umso bemerkenswerter ist, da Huck nach der letzten Saison ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hatte, ganz aufzuhören.

Huck gehört zu denen, auf die der neue Trainer Burkhard Bell in Zukunft bauen darf. Jule Faeseke, lange verletzt, wird dem neuen Mann dabei im Training zur Seite stehen. Auch das ist PSV. „Niemals geht man so ganz“, dieses an diesem Abend ebenfalls unvermeidliche musikalische Rührstück, durfte und musste eben auch gespielt werden. Einfach weil es so schön passt.

Anne Saxe, 13 Jahre für die PSV aktiv, hat beim Abschied ein paar Tränen verloren, auch Sandra Mroz und Frauke Korfsmeier wischten sich über die feuchten Augen. Lange haben beide ihren Abschied vorbereiten können, aber planen konnten sie ihn nicht.

Noch Freitagabend beim Abschlusstraining sei eigentlich alles wie immer in den letzten Jahren gewesen, berichtete Frauke Korfsmeier. „Wir hatten zuletzt ja gar keine richtigen Pausen. Trainieren, spielen, organisieren – da denkst du an vieles, aber nicht daran, dass es bald vorbei ist.“

Aber auch dieser Moment kam. Spät, dafür aber gewaltig. Korfsmeier: „Als wir Samstag im Auto saßen und zur Halle fuhren, da wurde es schon komisch.“ Plötzlich, sagt sie, „war’s ein bisschen abrupt“.

INFO PSV RE: Bensberg, Steinhaus – Huck (5), Zimmer, Wöstmann (4), Faeseke (3), Weber (8), Wolf, Niang, Thoms (2), Imping (5), Marsula, Gerick, Brühan (4)

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