DHB Viertelfinale - PSV empfängt Bundesligisten VfL Oldenburg

Riesa? Das wär doch mal was! 
Ehe die PSV zum „Final Four“ fährt, muss heute ein übermächtiger Gegner geschlagen werden
 
von Olaf Krimpmann
Für die Zweitliga-Handballerinnen der PSV ist es „das“ Spiel des Jahres. Mit dem VfL Oldenburg gastiert heute in der Halle Nord ab 19.30 Uhr eine der erfolgreichsten deutschen Mannschaften der vergangenen Jahre.
Gegen den EHC-Challenge-Cup-Sieger 2008 und EHF-Pokal-Achtelfinalisten sind die Rollen im DHB-Pokalviertelfinale klar verteilt. „Hauptsache, wir gehen nicht so unter wie Celle“, meint Andrea Surholt. Der Spitzenreiter der 2. Liga Nord war im Achtelfinale gegen den VfL mit 28:42 demontiert worden.
Die 32-Jährige bringt die meiste Erfahrung mit im Team der PSV. Neun Jahre spielte die Außenspielerin erstklassig, unter anderem in Riemke, Trier und Dortmund. Pokalspiele hat die Diplom-Sportwissenschaftlerin viele mitgemacht. Doch das Final-Four-Turnier in Riesa vor mehreren tausend Zuschauern hat sie noch nicht erreicht. „Das wäre doch mal was“, meint sie: „Aber das hat meines Wissens mit einer Ausnahme noch kein Zweitligist geschafft.“
Die PSV könnte Nummer zwei werden. Außer ihr sind nur noch Erstligisten im Wettbewerb. Aber Andrea Surholt weiß nur zu gut: „Zwischen der ersten und der zweiten Liga liegen schon Welten.“
Was auch kein Wunder ist: In den Spitzenteams wird unter Profibedingungen gearbeitet. Sieben-, achtmal die Woche wird trainiert. Dazu kommt wie im Fall des VfL Oldenburg die stete Praxis in Liga, DHB- und Europapokal. „Klar, dass allein das Tempo ein ganz anderes ist“, sagt Andrea Surholt. Und das ist in der Spitze ein entscheidender Faktor.
Nur: Wie will die PSV heute Abend Schritt halten? Mit der Leistung des letzten Freitags, als die PSV im Heimspiel gegen den SC Greven 09 (25:27) enttäuschte, dürfte es heute Abend heftig werden. Andrea Surholt: „Es hört sich zwar blöd an, ist aber so: Wir müssen unsere Chance suchen und die Tore auch machen.“
Dass die PSV das Tempospiel der Oldenburgerinnen ganz wird verhindern können, glaubt selbst Trainer Kai Harbach nicht. Nur: Zu oft sollte der Gegner nicht zu einfachen Toren kommen. „Wir müssen einfach schlauer spielen“, sagt der Trainer. Was in der Theorie bekanntermaßen leichter ist als in der Praxis.
Harbach wäre schon froh, wenn sich seine Spielerinnen heute weitaus engagierter zeigen würden als noch am Freitag. „Ohne Herz“ hätte sein Team gegen Greven gespielt, meint der Trainer. Warum, das weiß auch Andrea Surholt nicht: „Solche Spiele hat man eben in der Saison, das kann man nicht erklären.“ Letzten Endes, so sagt Surholt, „kann es am Mittwoch ja nur besser werden“.
Das weiß auch Kai Harbach, der seinen Spielerinnen jeglichen Druck nimmt. „Den haben wir gar nicht, im Gegenteil. Die Mädels sollen das Spiel einfach nur genießen“, sagt der 43-Jährige. Es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass die PSV ein Pokal-Viertelfinale einzuzieht, indem dann auch noch ein Gegner dieses Formats in Recklinghausen zu Gast ist.
Harbach weiß, worum es wirklich geht: „Wir können heute Werbung machen für den Verein und den Frauen-Handball in Recklinghausen.“ Das will auch Andrea Surholt: „Wir haben nichts zu verlieren, wollen aber auch nicht untergehen.“ Personell die PSV aus dem Vollen schöpfen, auch wenn Sandra Wellsow (Nasenbeinbruch) nach wie vor ausfallen wird.
Geleitet wird die heutige Pokalpartie von den Unparteiischen Paulo Ribeiro (Wagenfeld) und Pawel Fratczak (Kamp-Lintfort). Am Zeitnehmertisch sitzen Klaus Hedrich und Andreas Sokolowski vom Waltroper HV.
Die weiteren DHB-Pokal-Viertelfinaspiele: Thüringer HC - 1. FC Nürnberg; FA Göppingen - HC Leipzig; ProVital Blomberg - DJK/MJC Trier
DHB-Pokal, Viertelfinale
PSV Recklinghausen - VfL Oldenburg
Mittwoch, 25.02.2009
19.30 Uhr – Halle Nord
Es sind noch rund 100 Restkarten an der Abendkasse vorhanden. Die Halle öffnet 18.30 Uhr.
Am heutigen Abend wird es viele Bilder vom Spiel bei uns im Internet geben: www.medienhaus-bauer.de/bildergalerien.php
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Der Gegner: Oldenburg will sich langfristig in der deutschen Spitze etablieren
Oldenburg. (O.K.) Das Aus im EHF-Pokal (siehe Kasten rechts), es schmerzt noch immer. „Aber gegen einen solchen Gegner fehlen uns eben rund 700 A-Länderspiele“, meint Peter Görgen.
Der Geschäftsführer der VfL-Handballabteilung ist aber keiner, der sich lange grämt, im Gegenteil. In der EWE-Arena wird langfristig gedacht – da sind Rückschläge durchaus einkalkuliert.
Dass der VfL ganz klar die Teilnahme an der Final-Four-Pokalendrunde in Riesa als Ziel hat, versteht sich von selbst. „Dort vor mehreren tausend Zuschauern zu spielen, ist für jede Handballerin ein Erlebnis“, sagt Görgen.
Auch die Endrunde um die deutsche Meisterschaft hat der Funktionär noch lange nicht abgeschrieben. Nur ein Punkt beträgt der Rückstand auf Rang vier, nicht die Welt. Es hätte auch anders sein können. „Leider haben wir in der Bundesliga zuletzt viele Punkte liegen lassen“, meint Görgen. Wie im Europapokal, mangelt es dem VfL auch in der Liga noch an der nötigen Cleverness, der Routine.
Was kaum verwundern sollte: Mit gerade einmal 23,7 Jahren im Schnitt stellt der VfL eine der jüngsten Mannschaften in der 1. Liga. Das Ziel ist dabei klar definiert: Sich in der Spitze langfristig etablieren. Natürlich sollen dabei auch Titel her.
Ob es schon in dieser Saison klappt, scheint offen. „Die Mannschaft wächst noch zusammen“, sagt Görgen, der sich sicher ist: „Wenn in jedem Jahr zehn Prozent draufkommt, wird es irgendwann schon Zeit werden.“
Der Funktionär plant auch in der kommenden Saison mit dem Stamm, will langfristige Perspektiven aufzeigen. Dazu gehört, dass der VfL ein Handball-Internat aufbauen will, aus dem der Klub dann stetig seinen Nachwuchs zieht. „Professionelle Strukturen sind wichtiger denn je“, meint Görgen.
Das Spiel der von Leszek Krowicki im vierten Jahr trainierten Mannschaft bezeichnet er als „dynamisch“, Stärken sieht Görgen vor allem in der Abwehr. Nur vor dem gegnerischen Tor versagten dem Team noch zu oft die Nerven. Das soll heute in Recklinghausen anders sein.
Er selbst wird heute wohl nicht mit anreisen. „Das wird die Mannschaft schon allein stemmen“, meint Görgen, der Riesa fest im Blick hat. „Ohne Recklinghausen zu nahe treten zu wollen, aber das Spiel sollten nur wir gewinnen.“
Verein mit großer Handball-Tradition
Im letzten Bundesligaspiel kam der VfL Oldenburg zu einem mühevollen 28:27-Sieg über die Rhein-Main Bienen. Den Oldenburger Siegtreffer vor 970 Zuschauern erzielte in der Schlussminute die Norwegerin Haege Fagerhus.
In der Bundesliga-Tabelle rangiert der VfL nach 17 von 22 Spieltagen auf Rang fünf, ist dabei nur einen Punkt von Platz vier entfernt, der zur Teilnahme an den Play-off-Spielen um die Deutsche Meisterschaft berechtigt.
Nach ihrem Aufstieg im Jahr 1980 gehören die Oldenburgerinnen bis auf wenige Ausnahmen (1993 - 96; 98/99) ununterbrochen der ersten Liga an, feierten 1983 die deutsche Vizemeisterschaft. Größter Vereinserfolg war der Gewinn des Challenge-Cups im Sommer 2008. Zuletzt musste der VfL im Achtelfinale des EHF-Pokals die Segel streichen. Nach einem 28:27-Heimsieg unterlag die Mannschaft bei Randers HK (Dänemark) mit 25:27.
Im DHB-Pokal war der VfL bereits sehr erfolgreich im Einsatz. 1981 holten die Norddeutschen den „Pott“. Seit 1997 wird die Pokalendrunde in Riesa ausgespielt. Das Final-Four-Turnier gilt als Höhepunkt im Frauen-Handball. Oldenburg erreichte die Endrunde zuletzt im Jahr 2006 (Platz vier). 2002 gab es eine 27:29-Finalniederlage gegen Bayer Leverkusen.
Stützen des Teams sind die 1,91 m große Torhüterin Tatiana Surkova, die deutschen Nationalspielerinnen Angie Geschke (25 A-Länderspiele) und Sabrina Neuendorf (18) sowie die russische Auswahlspielerin Natalja Parchina (25 Länderspiele). Zahlreiche Oldenburgerinnen können dazu Länderspieleinsätze in den DHB-Nachwuchsmannschaften vorweisen. Als Neuzugang im Gespräch ist seit kurzem Nationalspielerin Ulrike Stange (24, HC Leipzig).
Trainer der Oldenburgerinnen ist seit 2005 der Pole Leszek Krowicki (51).

 

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