Alles zwischen Respekt und Sympathie

Handball: Pokalspiel der PSV war eine Werbung für den Frauenhandball / Was bleibt davon in der Liga übrig?
Nach den stehenden Ovationen und vielen Klopfern auf die Schulter, wich endlich auch die Anspannung von Kai Harbach. Die Vorfreude des Recklinghäuser Trainers aufs DHB-Pokal-Viertelfinale gegen VfL Oldenburg war wenige Stunden vor Anwurf nämlich irgendwie ins Gegenteil umgeschlagen.
„Ehrlich gesagt, habe ich mir auf der Hinfahrt zur Halle schon einen Kopf gemacht, was passieren würde, wenn wir mit 18:40 oder so untergehen“, bekannte der Übungsleiter. Zum Glück wurde er eines Besseren belehrt.
Sein Team heimste neben dem Respekt des Gegners (Oldenburgs Trainer Leszek Krowicki: „Recklinghausen hat uns das Leben schwerer gemacht als erwartet“) beim munteren 22:31 eben auch die Sympathien der 450 Zuschauer in der proppevollen „Sporthölle Nord“ ein.
„Wir haben uns deutlich besser verkauft als erwartet“, meint PSV-Abteilungsleiter Wolfgang Temme. Rund 40 Helferinnen und Helfer hatte die Abteilung fürs „Spiel des Jahres“ auf die Beine gebracht, die über sechs Stunden vollen Einsatz brachten. „Auch das ist eine großartige Leistung“, meinte Temme in Richtung der tatkräftigen Frauen und Männer. Es war eben ein runder Abend, da störte das erwartete Pokal-Aus niemanden. Lob gab es mehr als genug, der finanzielle Segen bleibt indes aus.
Schiedsrichter, Fahrtkostenzuschuss für Oldenburg, Verbandsabgaben, und und und – so schnell das Geld in der Kasse war, so schnell war es wieder draußen. „Etwas bleibt übrig, auch wenn es keine Unsumme ist“, meint Teammanagerin Mareike Schüllenbach. Die rechnete mit den Oldenburger Verantwortlichen gerade zu dem Zeitpunkt des Spiels ab, als sich die PSV-Sieben eine womöglich vorentscheidende Auszeit nahm. 13 Minuten blieb sie nach dem Wechsel ohne Tor, ehe Steffi Reinhart in der 43. Spielminute den zwölften PSV-Treffer erzielte – Oldenburg hatte es bis dahin schon auf 23 gebracht.
Ob sie, die nach der Saison wahrscheinlich wegen ihrer starken beruflichen Belastung als Betriebswirtin aufhören wird, am Mittwoch den letzten großen Höhepunkt im Trikot der PSV feierte, darüber konnte Steffi Reinhart nur lachen: „Wieso, es kommen doch noch die Play-offs!“
So schnell kann’s gehen. Am letzten Freitag nach der dürftigen Leistung und der verdienten Niederlage gegen Greven noch am Boden, hat das Pokalspiel Lust auf mehr gemacht. „Wir werden einiges mitnehmen ins Auswärtsspiel nach Berlin“, verspricht Trainer Kai Harbach. Dem schwant allerdings: Der Liga-Alltag wird schwer genug – nicht nur auf dem Feld.
„Es ist ja schön, dass dir alle sagen, was für ein tolles Spiel wir heute gezeigt haben“, so Harbach. „Noch schöner aber wäre es, wenn die vielen Leute, die heute hier waren, auch mal zu den nächsten Heimspielen kämen. 100 Leute mehr in der Halle würden uns richtig nach vorne bringen.“
In der Tat ist es so, dass die Leistung der PSV in der 2. Liga meist nur vom gleichen Personenkreis gewürdigt wird. Ein treues Publikum, gewiss. Doch jede verkaufte Eintrittskarte mehr hilft der Abteilung, ihren im Vergleich zu vielen anderen Vereinen schmalen Etat zu decken. „Spielst du ganz oben mit, kommen die Leute von ganz alleine, auch wenn’s nur die Landesliga ist“, meint dazu Mareike Schüllenbach.
Nur zu ganz oben reicht es in der 2. Liga Nord eben nicht, in der Celle und Rosengarten aktuell einsame ihre Kreise ziehen. Dennoch, so meint Frauke Korfsmeier, hätte die Leistung mehr Zuspruch verdient. Die PSV-Handballerinnen, die ihr Hobby erst nach Feierabend betreiben, gehören für sie sehr wohl zur Spitze der 2. Liga.
„Für mich stand schon vor der Saison fest, dass es eigentlich nur um die Play-offs gehen kann“, meint die ehemalige PSV-Trainerin. „Bis auf Celle ist keine Mannschaft stärker geworden, und von oben ist nichts runtergekommen.“ Sie wäre enttäuscht, sollte die PSV einen der ersten Plätze verspielen. „Mein Tipp vor der Saison war Platz drei.“
Dazu muss auch in der Liga die Leistung von Mittwoch stabilisiert werden, am besten schon am Samstag in Berlin. Das Spiel dort beginnt bereits um 16 Uhr. Der größte Gegner, vermutet Kai Harbach, dürfte wieder einmal die lange Busfahrt werden. „Mal sehen, wie schnell wir die aus den Gelenken schütteln können.“

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