Die PSV widersteht der Versuchung

Die E-Mail, die Mareike Schüllenbach zu Wochenbeginn an den Vorsitzenden der Frauenhandball-Bundesligavereinigung (HBVF), Bernd Dugall, schickte, war schnell geschrieben. Fast zu schnell für das viele Herzblut, das die Teammanagerin des Zweitligisten PSV Recklinghausen in den Tagen zuvor vergossen hatte.
Schüllenbach kam damit einer Forderung der HBVF nach, sich schriftlich zu erklären, wie es der Verein mit einem Aufstieg halte. Die Play-offs spielen, um dann nicht aufsteigen zu wollen – das will die Vereinigung auf jeden Fall verhindern und droht vorsichtshalber sogar eine saftige Konventionalstrafe an. Aber die alleine ist es nicht, vor die die PSV zurückschreckt.
Was, wenn sich die PSV überraschend durchsetzen würde – weil der Gegner auf einmal bemerkenswert schwach spielt? Oder durch Lizenzentzüge auch der Dritte der Aufstiegsrunde noch im Rennen wäre? „So schön es sich auch anhört: ,Wir spielen 1. Bundesliga’ – das ist für uns einfach nicht machbar“, sagt Mareike Schüllenbach, die wenige Tage vor dem letzten Saisonspiel damit allen Spekulationen ein Ende gesetzt hat: Die PSV wird definitiv nicht an einer Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga teilnehmen.
Auch als Tabellenfünfte hätte die PSV dazu die Gelegenheit: Wenn eine der ersten vier Mannschaften ebenfalls verzichten würde. Zuletzt signalisierte der starke Aufsteiger SG Rosengarten zwar: Wir machen’s – allerdings ging der Zusage eine wochenlange Zauderei voraus. Denn auch in Hamburg spielen offenbar die gleichen Überlegungen wie bei der PSV eine Rolle.
„Nicht nur, dass wir in der 1. Bundesliga gleich eine Bürgschaft von 35000 Euro hinterlegen müssten. Auch müssten wir unseren Etat verdreifachen“, so Mareike Schüllenbach. Darüber hinaus besitze die PSV kein Team für die Erste Liga: „Unsere Spielerinnen sind berufstätig, und mal eben am Mittwoch nach Nürnberg fahren geht nicht. Letzten Endes würden wir dann auf eine professionelle Ebene gehen müssen – und die ist nicht drin.“
So spielt die theoretisch auch noch sportlich mögliche Qualifikation jetzt keine Rolle mehr – wenn der Vierte Magdeburg im letzten Saisonspiel in Berlin verlieren und die PSV zeitgleich gegen Harrislee gewinnen sollte. Der bessere direkte Vergleich würde die Recklinghäuserinnen zurück auf Platz vier katapultieren.
„Für die Mädels tut es uns echt leid, dass wir ihnen das Highlight einer Relegation nicht mehr bieten können. Die Enttäuschung war natürlich riesengroß. Aber wir können uns kein Risiko erlauben“, meint die Teammanagerin, die sagt: „Solch eine Situation wünsche ich mir nicht noch einmal herbei.“
Durch den Verzicht sind die Fronten geklärt – im Interesse des Verbandes, nicht der Vereine. „Ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft so wird wie früher: Der Meister steigt auf. Dann wäre die Sache klar“, so Schüllenbach.

 
Info/Kommentar
Die Play-offs spielen, in Ehren verlieren und erhobenen Hauptes in die nächste Zweitliga-Saison gehen – es wäre so schön gewesen: Doch daraus wird nichts.
Weil die Bundesligavereinigung schon jetzt eine saftige Strafe androht: Entweder es wird gespielt und auch aufgestiegen oder man lässt es ganz sein.
Sicher ist es im Sinne der Vereinigung, wenn die HBVF ihre Aufstiegsrunde mit dieser Sicherheit (oder ist es Erpressung?) als Garantie startet. Nur: Ob’s wirklich hilft?
Die Kluft zwischen Erst- und Zweitbundesligisten wird so zwangsläufig größer. Ihr da oben, wir da unten, so sieht’s aus.
Natürlich sollte es Ziel einer jeden Mannschaft sein, sportlich das Maximale zu erreichen, also auch einen Aufstieg. Nur im Frauenhandball wird aktuell viel gefordert und nur wenig als Gegenleistung erbracht.
Bei einer Zentralvermarktung der erste n und zweiten Frauen-Bundesligen spielt der deutsche Handball in der Kreisklasse. Fernsehpräsenz gibt es nur in Ausnahmefälle in den dritten Programmen oder bei Lokalsendern. Das einzig gemeinsame ist der Spielball eines bestimmten Herstellers. Und das ist nicht viel.
Jeder Klub kämpft für sich selbst – dass da die Kluft größer und größer wird, ist zwangsläufig. Und mit der eingleisigen 2. Bundesliga 2011/2012 wird das Problem noch größer. Wer aus der Regionalliga hoch will, sollte sich das gut überlegen. Die 16 Zweit- und 12 Erstligisten werden wohl einen exklusiven Zirkel bilden. Ob die PSV dazugehören kann, ist die Frage.
Aber es gibt auch erfreuliche Meldungen aus der Halle Nord: Mit der talentierten Rückraumspielerin Felicia Idelberger (18; Bild) von Zweitliga-Absteiger Lintfort kann die PSV den ersten Neuzugang für die kommende Saison präsentieren. O.K.

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