Die Pleite Liga

Es wäre ein Saison-Highlight mehr gewesen, eine kurze Auswärtsfahrt dazu. Nach einem Jahr Abstinenz wäre es wieder zum Revierderby zwischen der PSV Recklinghausen und dem BVB Dortmund gekommen.
Wenn der große BVB bereits vor zwei Jahren und in der Außendarstellung eher aus Versehen in die zweite Bundesliga abgestiegen war, so war die Begegnung für die PSV doch etwas ganz besonderes. Und jetzt – nach vielen internen Turbulenzen war ein erneutes Stelldichein in Wellinghofen durch den sportlichen Abstieg der Borussinnen fest eingeplant.

In letzter Sekunde wurden die Gebete in Dortmund erhört: Sulzbach-Leidersbach gab die Insolvenz bekannt – Dortmund bleibt doch erstklassig. Kein Einzelfall: Der amtierende Deutsche Meister Nürnberg, seit Jahren nur mit Auflagen im Ligageschäft, gestand Zahlungsunfähigkeit ein – der Thüringer HC darf trotz sportlichen Abstiegs weiter im Oberhaus Bälle werfen.

Doch das muntere Fliegensterben setzt sich auch in der zweiten Bundesliga Nord fort: Die Spreebirds Berlin aus dem Oststadtteil Lichterfelde schaffen es mit Ach und Krach über die Ziellinie, verkaufen noch während der vergangenen Spielzeit Trainer Helmut Röder und Leistungsträgerinnen wie Juliane Rüh und Franziska Müller an die Reinickendorfer Füchse, sie bleiben durch die Fusion mit dem Westverein der Liga erhalten, starten fortan als Spreefüxxe und setzen im Jubiläumsjahr des Mauerfalls ein Zeichen des Zusammenhalts in der Bundeshauptstadt. „Ein finanzielles Harakiri wird es bei uns nicht geben", verspricht Manager Uwe Thalke.
Doch nicht genug: Eben noch im siebten Anlauf im sechsten Jahr (In der Saison 2006/2007 wegen einer Neuansetzung sogar zweimal) wieder am Aufstieg gescheitert, meldete sich kurzfristig auch der stets ambitionierte SC Markranstädt aus der Südliga ab. „Auf dem Weg zu den Besten - Champions League 2015” prangte noch auf dem Bus der Leipziger Randstädter als man die Reise zu den Play-Offs nach Greven antrat. Sie waren die härtesten Verfechter der eingleisigen zweiten Bundesliga, um den Frauenhandball professioneller zu gestalten und schwups: der Verein ist ebenfalls insolvent.
Nachdem alle Insolvenzlinge gestrichen und alle Nachrücker nachgerückt sind, bleiben auch Stemmer und Travemünde der zweiten Bundesliga Nord erhalten. Da fragt man sich mit fadem Beigeschmack, welchen Wert die Spiele zuvor hatten, wenn letztlich das Sportliche nicht mehr über die Zugehörigkeit zu einer Liga entscheidet.
Burkhard Gräßler, Geschäftsführer des SV Union Halle-Neustadt, spricht wahre Worte gelassen aus: „Die diesjährige Zusammensetzung ist eine der schwächsten Zweitliga-Gruppierungen der letzten Jahre.” Mit Celle hat sich die stärkste Mannschaft nach oben verabschiedet, es kommt kein Erstligaabsteiger herunter – übrigens zum zweiten Mal in Folge – und Halles Trainer Arne Kühr rechnet nicht damit, „dass Aufsteiger wie Wismar oder Oyten sich als Überflieger präsentieren wie im letzten Jahr Rosengarten.”

Mit der Entwicklung seines Vereins ist er durchaus zufrieden: Simona Roubinkova wird die scheidende Frances Günthel auf der Rückraummitte-Position ersetzen und viel Erfahrung in den jungen Haufen bringen. Mit Eva Beyer – eher unter ihrem Mädchennamen Leitgebova bekannt – erhält er Verstärkung auf der Bank. „Mir war es wichtig, eine Frau als Co-Trainer zu haben, weil sie besser in die Mannschaft hineinhören und die Gefühlslage der Truppe schneller verstehen kann.” Nach 13 Jahren hatte Bianka Eckart den Co-Trainerposten Anfang des Jahres aufgegeben. Beim Aufsteiger Wismar und Ostseenachbar Rostock sind die Planungen alles andere als abgeschlossen. Wesentliche Positionen der Teams sind noch vakant: Während sich in Rostock gleich alle drei Torhüterinnen verabschiedeten, kam Wismars Manager Klaus-Dieter Soldat kurzfristig Trainerin Diane Sperling abhanden. Sorgen macht sich Soldat jedoch um die gesamte Region: „Die Werft, die Holzindustrie und Karstadt, die drei wichtigsten Arbeitgeber in Wismar und wesentlichen Sponsoren sind pleite.” So hängt der Handball auch im hohen Norden am (finanziell) seidenen Faden.

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