Das Leben der Anderen

Am Wochenende beginnt die Saison in der 2. Handball-Bundesliga, die Frauen der PSV Recklinghausen beginnen gegen den TSV Harrislee. Das Leben der anderen verlief in den Sommermonaten wie es sich für die Vorbereitung gehört: mit viel Fleiß und etwas Freizeit. Und wo ein Jahr zuvor Harrislee und Halle wegen zahlreicher Ausfälle durch Übersichtlichkeit auf der Auswechselbank bestachen, herrscht dieses Jahr eitel Sonnenschein. „Die Langzeitausfälle sind zurück, wir haben uns mit Simona Roubinkova (64-fache tschechische Nationalspielerin) und Silvia Hofman (154mal für Holland) gezielt verstärkt”, sagt Halles Coach Arne Kühr, der wie Greven als einziger Tacheles redend als Saisonziel die Play-Offs angibt. Das Gros der Liga, die Wieder-Aufsteiger Wismar und Oyten, die Doch-nicht-Absteiger Stemmer und Travemünde sowie Harrislee, Rostock und der aus dem Ostverein SV Berliner VG und dem Westaufsteiger Reinickendorfer Füchse Berlin geborene Hauptstadtclub BVB Füchse Berlin, stapeln tief und streben den Klassenerhalt an. Magdeburg möchte irgendwo in der Mitte landen und Rosengarten äußert mit dem Wunschplatz zwischen sechs und acht ziemlich klare Vorstellungen, wird aber als stärker eingestuft.

Besonders das Berliner Projekt Frauenhandball will Kräfte bündeln. Die Ossis waren pleite, hatten aber tolle Zuschauer. Die Wessis wären aus der Regionalliga sowieso aufgestiegen, treten aber in Konkurrenz um Sponsoren zu den Erstliga-Männern an. Gemeinsam wollen sie sich in der Bundesliga etablieren. Trainer Edgar Fahrenwald, der bereits vor 20 Jahren über eine Zusammenführung nachsann und am Funktionärsmief aus beiden Himmelsrichtungen scheiterte, nimmt erfreut zur Kenntnis, dass sein Team von Woche zu Woche besser wird und freut sich über drei Zugänge aus der Markranstädter Konkursmasse und einer zugelaufenen japanischen Kreisspielerin. Hisayo Tanaguchi hatte 2007 noch vergeblich versucht, den Erstliga-Abstieg von Borussia Dortmund zu verhindern und war trotz hünenhafter Gestalt gescheitert. Aus beruflichen Gründen verschlug es sie aus den Niederlanden nach Berlin. Der Schnupperkurs bei den Füchsen verlief so positiv, dass sie nun doch noch mal den Handball zur Hand nimmt.

Dass das Niveau ohne Erstligaabsteiger erneut sinkt, vernimmt man aus allen Ecken. Wismars Manager Klaus-Dieter Soldat erinnert sich an die 1990er-Jahre, in denen Wismar als Toppmannschaft des Nordens regelmäßig den Vergleich mit Südmannschaften gewann. Seit 2000 nehme die spielerische Klasse zunehmend ab. „Dieses Jahr hat der Norden erneut an Prestige verloren.” Harrislees Trainer Thomas Blasczyk spricht von einer „konstant klebrigen Masse”. Das einzig gute daran: „Es gibt keine Favoriten. Es wird wieder jeder jeden schlagen” – aber das muss ja kein Nachteil sein!

Suchindex

Autoren

Sponsoren

Aus dem Förderverein

Bildungsspender

Kostenlos helfen!
Unser Verein PSV RE hat einen Spenden-Shop bei BILDUNGSSPENDER dem gemeinnützigen Fundraising-Portal

Weiterlesen ...