PSV Handballerinnen ziehen zurück

 

Vorläufiges Ende einer Ära: wenn am Samstagabend Frauenhandball-Zweitligist PSV Recklinghausen in der Halle Nord auf die TSG Wismar trifft, dann wird sich die Sieben von den eigenen Fans für unbestimmte Zeit aus der 2. Bundesliga verabschieden. Die Mannschaft wird vorzeitig aus dem Spielbetrieb ausscheiden und freiwillig den Gang in die Regionalliga antreten.
Grund ist, dass mit Anne Saxe, Christina Weber, Stefanie Reinhart, Iris Schulz und Kirsten Lübbert gleich fünf Leistungsträgerinnen angekündigt haben, nicht mehr für eine weitere Spielzeit in der 2. Liga zur Verfügung zu stehen. Wichtigster Grund: die starke berufliche Beanspruchung.

Da der Verein aber wirtschaftlich nicht in der Lage und willens ist, diesen Aderlass durch auswärtige Spielerinnen zu kompensieren, wählte die Abteilungsspitze nun diesen Schritt.
„Unter dem Motto: Koste es, was es wolle, wollten wir nie 2. Liga machen. Wir haben die Verantwortung für 500 Vereinsmitglieder“, erläutert Abteilungsleiter Wolfgang Temme den Rückzug, „der uns allen nicht leicht gefallen ist“.
Vor allem nicht Mareike Schüllenbach. Seit 15 Jahren als Teammanagerin tätig, hat die Recklinghäuserin die Erfolgsjahre schließlich entscheidend mitgestaltet. „Frag’ mich bitte nicht, wie’s mir am Samstag gehen wird“, meinte sie mit Blick aufs letzte Zweitliga-Heimspiel.
Die PSV wird eine Woche später ihr Auswärtsspiel bei der HSG Stemmer/Friedewalde bestreiten und dann die letzten drei Partien kampflos abgeben. Die zu erwartenden Strafen nennt Temme „schmerzlich, aber diese Kröte müssen wir schlucken“.
Damit stünde Recklinghausen als erster sportlicher Absteiger fest – eine entscheidende Voraussetzung für einen geordneten Rückzug. Denn die Regionalliga ist laut Spielordnung nur verpflichtet, sportliche Absteiger aufzunehmen. Der Passus war vor geraumer Zeit zum Schutz der Regionalligisten vor einem verstärkten Abstieg in die Spielordnung aufgenommen worden. Recklinghausen hätte andernfalls gar der freie Fall in die Verbandsliga gedroht.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Lizenzunterlagen samt Kaution in Höhe von 20 000 Euro bis Ende März beim Ligaverband zu entrichten sind, die Spielzeit aber erst im April endet.
Jetzt geht der Verein auf Nummer sicher. Schüllenbach will schließlich Signale vernommen haben, wonach viele weitere Vereine über ähnliche Schritte nachdenken. Die PSV wäre schlimmstenfalls also nur ein Vorreiter.
Grund ist die bevorstehende Ligareform, bei der ein vermehrter Abstieg droht und ein Hauen und Stechen zu befürchten ist. „Wir kennen etliche Beispiele, wo Vereine auf der Strecke geblieben sind. Wir sehen den Rückzug jetzt als Chance an, mittelfristig etwas Neues aufzubauen“, sagt Schüllenbach. Gerald Reckert, Vorsitzender des Fördervereins, sagt klipp und klar: „Unser Ziel lautet: 2. Liga – wir kommen wieder.“
Immerhin, viele der oben angeführten Leistungsträgerinnen würden in der Regionalliga weitermachen. Um sie herum soll eine neue Mannschaft mit Perspektive aufgebaut werden. Ob der Neuaufbau allerdings mit Daniela Hannemann als Trainerin passieren wird, ist noch offen.
„Dazu ist alles noch zu frisch“, sagt Hannemann, die den Entschluss nachvollziehen kann: „Es war eine Vernunftsentscheidung des Vereins, die sich seit Jahresbeginn abgezeichnet hatte. Es ist schade und traurig, aber das bedeutet nicht, dass jetzt mit Handball in Recklinghausen Schluss ist.“ Am Dienstag wurde die Mannschaft informiert, am Donnerstag fasste der Abteilungsvorstand den endgültigen Beschluss.
Eine große Abschiedsparty ist heute Abend allerdings kaum zu erwarten, wohl aber eine gute Kulisse zum vorerst letzten Bundesliga-Spiel in der Halle Nord. Gleichwohl weiß auch Daniela Hannemann: „Ein bisschen komisch ist einem schon.“
Vor allem für sie: ausgerechnet heute wird Hannemann 31 Jahre alt. „Eigentlich hatte ich mir ein schöneres Geburtstagsgeschenk gewünscht“, sagt sie.

INFO
PSV Recklinghausen - TSG Wismar
Sa., 19.30 Uhr,  Sporthalle Nord

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