Herz über Kopf - letztes Bundesliga-Heimspiel verloren

Stell dir vor, die PSV Recklinghausen hat zum letzten Mal ein Heimspiel in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen – und keiner geht hin, kaum einer bekommt es mit.
PSV Recklinghausen gegen die TSG Wismar am Tag nachdem die Vereinsverantwortlichen mitgeteilt hatten, dass es vorerst Zweitliga-Handball in Recklinghausen bei der PSV nicht mehr geben wird. Es ist ein Abschied vor der Minuskulisse von 170 Unentwegten. Darunter einige Ehemalige, natürlich die eingefleischten Fans und auch Landrat Cay Süberkrüb, der sich die Spiele des Team auch weiterhin ansehen will.

Es ist der Abstieg. Der freiwillige. Einmal tritt das Team von Trainerin Daniela Hannemann, sie hatte an diesem letzten Samstag im Februar auch noch Geburtstag, noch an. In der nächsten Woche bei der HSG Stemmer-Friedewalde. Danach ist Schluss, Feierabend, folgt der Rückzug und der Neubeginn in der Regionalliga. Es ist, sagt Hallen- und Pressesprecher Lutz Cebulla, „ein vorübergehender Abschied und eine Entscheidung des Kopfes über das Herz”. Er sagt das vor dem Spiel und redet und erklärt länger, als es Mareike Schüllenbach, der Managerin recht ist. Wismar wartet. Die 2. Bundesliga geht weiter. Auch ohne die PSV Recklinghausen.

Bei allen angekommen war und ist diese Entscheidung, vor allem ihre Endgültigkeit nicht. So staunten etliche Zuschauer darüber, dass Hannemann konsequent durchwechselte und jeder Spielerin Einsatzzeiten gab und damit die Gelegenheit sich auf dem Spielfeld zu zeigen und in Bewegung zu verabschieden. Dass zum Beispiel Kirsten Lübbert im Tor anfing, im zweiten Abschnitt aber Iris Schultz ins Tor kam und natürlich durchspielte, stieß bei einigen auf der Tribüne auf Unverständnis. Da kam zumindest ein halblautes „Torwartwechsel”, als die Recklinghäuserinnen nicht dran kamen und der Abstand zu Wismar vorentscheidende Züge annahm.

Dabei war dieses Spiel aus sportlicher Sicht völlig uninteressant. Zumindest für die Recklinghäuserinnen. Dass es für die TSG Wismar real existierender Abstiegskampf war und ist gab verständlicherweise den Ausschlag. Wismar wollte und musste mehr und bei den PSV-Frauen zeigte sich, dass die fehlende Anspannung die Schwester aller Fehlwürfe ist. Gerade von den Außenpositionen zielten sie, als seien sie von einem falsch gefütterten Navigationsgerät geleitet und würden sich fortwährend blind darauf verlassen, obwohl sie inzwischen festgestellt hatten, dass der Weg der falsche war. Gefühlte 20 Fehlversuche der Recklinghäuserinnen über Links- und Rechtsaußen brachten die Entscheidung. Für Wismar.

Es war egal. Während Wismar zwei wichtige Punkte feierte, versuchten die Recklinghäuserinnen sich vernünftig zu verabschieden, Danke zu sagen an die Fans für die Unterstützung. Tränen flossen. Das Herz siegte über den Kopf. Vereinzelt traten Spielerinnen die kurze Flucht in an die Halle angrenzende Räume an, um alleine durchzuatmen und danach die Tränen tapfer wegzulächeln. Christina Weber, zum Abschluss noch einmal beste PSV-Angreiferin, winkte und klatschte erst zum Dank, hockte sich dann an die hinterste Hallenwand. Über ihr das Werbebanner mit der Aufschrift „Let's go PSV.”

PSV Recklinghausen: Schultz, Lübbert - Beikirch, Saxe (2), Wellsow (2), Idelberger, Issleib (1), Schlierkamp, Faeseke, Nückel (1), Weber (9/4), Reinhart, Brandes (4)
TSG Wismar: Steiner, Borkowski - Möller (1), Hipler (3), Kühne (2), Hermann, Tegler, Drews, Ernst (1), Kollecker (4), Yermachek (7/4), Oldendorf (1), Wolter (5)
Schiedsrichter: Fabian und Christian vom Dorff (Kaarst)
Zuschauer: 170

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