Von Old Daddy Basket über Flaesheim bis zur PSV

Frauensport auf hohem Niveau hat es nicht nur, aber gerade im Vest offenbar besonders schwer.
Rückzug. Wieder einmal. Es ist der Weg zurück in die Bescheidenheit, den die PSV Recklinghausen mit dem freiwilligen Gang aus der 2. in die 3. Liga geht. Sie ist nicht der erste Verein aus der Region, der den Ausflug in die Nähe des Profisports beendet. Old Daddy Basket Recklinghausen, SG Hillen, FFC Flaesheim/Hillen, BG Dorsten. Sie alle mussten die leidvolle Erfahrung machen, dass nach begeisterenden Aufstiegen und Anfängen der Liga-Alltag und vor allem seine Kosten in der 1. oder 2. Bundesliga auf die Dauer nicht zu stemmen sind.

Ein Phänomen der Region, die teuren Leistungssport nicht finanzieren kann? Oder ein Problem des Frauensports, der auf die Dauer auf hohem Niveau nicht zu halten ist? Es ist von beidem ein bisschen. Weder das sportliche Aushängeschild der Region von gestern, die Spvgg. Erkenschwick, war in der Lage Spitzensport zu unterhalten, schon gar nicht ohne die Alimentierung durch den Bergbau, noch das Team der Gegenwart, die Hertener Löwen. Mit Talent, Ausdauer, Glück und Geschick im Dunstkreis des Spitzensports dabei zu sein, scheint möglich zu sein; sozusagen der dauerhafte Ritt auf einer scharfen Klinge. Mehr ist nicht drin.

Schon gar nicht im Frauensport. Am leidvollsten haben das die Fußballerinnen des FFC Flaesheim/Hillen erfahren. Im Juni 2001 standen sie im DFB-Pokalendspiel, machten vor 30 000 Zuschauern im Berliner Olympia-Stadion beim 1:2 gegen den 1. FFC Frankfurt keine schlechte Figur. Um Wochen später als Pleitier in der Versenkung zu verschwinden. Sie hatten sich finanziell mächtig verhoben.

Das war anders bei ODB Recklinghausen und der BG Dorsten, deren Frauen-Teams über Jahre in der Basketball-Bundesliga eine tragende Rolle spielten, Dorsten nahm gar mehrfach am Europapokal teil. Am Ende aber scheiterten beide Vereine aber an der Erkenntnis, den Aufwand dafür dauerhaft nicht betreiben oder rechtfertigen zu können. Erst gingen die Erstliga-Lizenz samt Team von ODB auf die BG über, die dann wiederum nach mehreren Jahren kapitulierte, freiwillig zurück in die Oberliga ging und ihr Geld sowie das der Sponsoren lieber wieder in den Aufbau einer Männer-Mannschaft steckt, die mittelfristig in die 2. Bundesliga aufsteigen soll.

So weit gehen sie bei der PSV nicht. „Wir wollen leistungsorientierten Handball erhalten”, sagt Vorsitzender Wolfgang Temme. Aber er müsse überschaubar und finanzierbar sein. Spätestens mit der Einführung der eingleisigen 2. Liga sehen er und seine Mitstreiter dies nicht mehr gewährleistet. Die Schere zwischen Spitzensport und ambitioniertem Amateursport geht im Frauen-Handball weiter auseinander. So wie im Fußball, wie im Basketball, wie in vielen anderen Mannschaftssportarten.

„Immerhin steckt in diesem Schritt auch eine Chance für uns", sagt PSV-Managerin Mareike Schüllenbach und macht sich selbst Mut nach einem Schritt, der gerade ihr als Mutter einer eindrucksvollen Erfolgsgeschichte nicht leicht gefallen ist. Sie verschwinden nicht in die Bedeutungslosigkeit wie andere Vereine. „Wer redet heute noch von der HSG Wambel/Körne?”

Damit von der PSV morgen noch die Rede ist, soll sich das Team konsolidieren. Jünger werden soll es wieder, um in zwei oder drei Jahren vielleicht einen neuen Anlauf nach oben zu unternehmen. Jünger hätte es vielleicht schon sein müssen, um die Gründe für den Rückzug erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das aber scheint leichter gesagt als getan zu sein.

„Natürlich hatten wir das immer im Blick und haben auch einige Verpflichtungen in diese Richtung unternommen”, sagt Mareike Schüllenbach. Aber in einer Region, in der nicht einmal Borussia Dortmund mit seinem großen Namen und einigen Erfolgen in der Vergangenheit dauerhaft ein schlagkräftiges Erstliga-Team halten kann, hat es ein Klub wie die PSV doppelt schwer, Talente zu locken und zu halten. Nur die, so lange sie bezahlbar bleiben und die Atmospäre aus ambitioniertem Sport in familiärer Atmosphäre mit bescheidener Aufwandsentschädigung akzeptieren, machen auf die Dauer eine Bundesligazugehörigkeit möglich. Mehr ist nicht drin.

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