Klimawechsel

Recklinghausen.Klimawandel macht vor nichts halt. Nicht mal vor der Handball-Szene im Vest. Wenn die PSV Recklinghausen am Samstag (19.30 Uhr, Sporthalle Nord) den Verbandsliga-Tabellenführer SV Westerholt empfängt, hofft das Gros der Anwesenden auf ein heißes Derby, bei dem alle Parteien einen kühlen Kopf bewahren. Gletscher werden voraussichtlich aber nicht schmelzen.

Dafür versteht man sich bei aller sportlicher und nachbarschaftlicher Rivalität einfach zu gut. Wie am Beispiel der beiden Co-Trainer zu erkennen ist. „Ich freue mich sehr aufs Spiel“, erklärt Westerholts Daniel Wolter. „Vor allem auch deshalb, weil es einen Tacken entspannter ist als das Spiel gegen den HSC.“ Recklinghausens spielender Co-Trainer Christian Pieper stößt in eine ähnliche Kerbe. Gerade aber auch, weil es für ihn nicht allzu viele „historische“ Berührungspunkte zum Lokalkonkurrenten gibt. „Mit Westerholt habe ich eher in der Jugend zu tun gehabt. Es wird sicher kein Hass-Spiel.“

Eine besondere Partie ist es für Pieper aber auf jeden Fall. Schließlich wird es sein letztes Duell mit Westerholt sein. „Davon gehe ich aus. Weil Westerholt aufsteigt, wir drin bleiben und ich nächste Saison nicht mehr in der ersten Mannschaft spielen werde.“ Eine Entscheidung, die dem 34-Jährigen „ein bisschen schwer gefallen“ ist, aber der Aufwand sei „zeitlich nicht zu stemmen. Vielleicht spiele ich dann in der Zweiten in der Bezirksliga.“ Bis dahin wird er sich jedoch voll einbringen.

Als vor der Saison Kai Müller als neuer Coach verpflichtete wurde, sah sich Pieper, zuvor Co-Trainer von Ingo Häußler, schon als Akteur in der Zweiten. „Ich wollte mehr spielen. Mit Michael Brannekämper hatte ich schon die Vorbereitung geplant. Dann kam Kai auf mich zu und am Ende ist sein Wunsch, einen Co-Trainer zu bekommen, auf meinen Wunsch, zu spielen, getroffen.“ Aufgrund der konstant dünnen Personaldecke der PSV ist der gelernte Tischler „im Moment eher Spieler.“ Ein Spieler, der das Training genießt. „Kai macht ein riesen Training. Er brennt ein Feuerwerk an Übungen ab. Ich kümmere mich mehr um organisatorischen Kram. Ich gehe auch mit der Truppe ins Fitnessstudio. Zum Hüpfkreis.“

Daniel Wolter, er musste 2004 aufgrund von Knie-Problemen seine aktive Laufbahn beenden, ist dagegen eher die klassische Variante eines Co-Trainers. Der 29-Jährige ist „ein Zwischending“ zwischen Trainerteam und Mannschaft. „Ich quatsche mit den Jungs, vor allem den Jüngeren wie Dustin Dalian, Robin Schmedt oder Julian Hess oder mache zum Beispiel das Torwart-Training. Vor den Spielen bin ich eher derjenige, der die Jungs heiß macht, während Uwe Bekston das sachlicher angeht. Es gibt eine klare Hierarchie. Uwe fragt, ich antworte.“ Der Finanzberater wollte nach seiner studienbedingten Handballpause „unbedingt wieder Hallenluft schnuppern.“ Seit dieser Saison tut er das an der Seite von Coach Uwe Bekston. „Es macht auch Spaß. Wichtig ist, dass ich von einem externen Trainer lernen kann. Ralf Anischewski kannte ich ja.“

Die Rollen der beiden Klubs haben sich im letzten Jahr geändert. Wolter: „Als ich noch gespielt habe, hatte die PSV, damals noch mit Heitmann, Pieper und und und, das Sagen. Weil sie einfach die besten waren.“ Mittlerweile hat sie Westerholt vorerst abgelöst. „Vor der Saison wären sie für mich schon ein Meisterschaftskandidat gewesen, wenn Rosen Kolev geblieben wäre“, meint Pieper. „Nicht nur wegen Christopher Klasmann, sondern weil sich der Rest der Truppe richtig gut gefestigt hat.“ Dass die PSV nicht mehr um die Spitze mitspielt, führt Pieper unter anderem auf die schwächere Jugendarbeit zurück. „Die Mannschaft wird immer älter und Prioritäten verschieben sich. In den letzten fünf, sechs Jahren sind nur Cedric Elsen und Vincenz Rump geblieben.“


Gegenseitiger Respekt

Bei aller Rivalität haben Daniel Wolter und Christian Pieper kein Problem, die gegnerischen Spieler hervorzuheben. Pieper: „Fabian Hentschel finde ich richtig stark.“ Wolter outete sich als „Fan“ Carsten Kremlings. „Ein klasse Spieler. Er nimmt auch das Publikum mit.“ Zu Thomas Brannekämper hat er zudem eine Beziehung, die über den Sport hinausgeht. „Thommy ist ein tofter Kerl, der nicht nur richtig gut Handball spielt, sondern auch was zwischen den Ohren hat.“ Der Rückraumspieler der PSV absolvierte Teile seiner Ausbildung in der gleichen Bank, für die Wolter tätig ist. „Wir haben die ganze Zeit über Handball gesprochen.“ Für Pieper steht aber sowieso fest: „Diese Liga macht Spaß. Wir sehen uns zweimal im Jahr und dann im Mai auf Malle. Schön.“

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