PSV siegt in einem heißen Derby

RECKLINGHAUSEN. Hand aufs Herz, liebe Handballfreunde: Was ist von den letzten Recklinghäuser Verbandsliga-Derbys in Erinnerung geblieben? Herzlich wenig, möchte man meinen. Das Duell am Samstagabend in der Halle Nord dafür bietet Stoff für Romane – und für den Staffelleiter als Sportgerichtsbarkeit.Eine irre Aufholjagd der PSV, ein Siegtreffer in letzter Sekunde durch Hans Müller, ein böses Foul von HSCler Levent Cengiz, Tumulte – dieses Derby vor offiziell 325 Zuschauern ließ nichts aus. Der überraschende 26:25 (14:14)-Sieg für die Platzherren war am Ende ein Triumph des Willens.

Gefeierter Mann auf dem Feld war Hans Müller. Der Kreisläufer besorgte das erste (1:0) und die zwei letzten Tore des Spiels, womit sich die Frage erübrigt, welchen Wert der 21-Jährige an diesem Tage für seine Farben hatte. Was umso bemerkenswerter ist, weil das Kreisspiel der PSV in der Vergangenheit nicht gerade zu den Stärken der Mannschaft gehörte.

Eintracht verspielt Sieg in den letzten vier Minuten

Allerdings war es der HSC ein Stück weit selbst, der das Derby aus der Hand gab. Oft und lange mit zwei, drei Toren in Front, leisteten sich die Süder in den letzten vier Minuten einen Totalausfall der Systeme, was in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist.

55:51 Minuten waren gespielt, der HSC lag scheinbar sicher 25:21 vorne, als Markus Witkowski seine dritte Zeitstrafe erhielt und damit auf die Tribüne verbannt wurde. Mit Witkowski fehlte nun natürlich der Abwehrchef, aber daran lag es nicht, dass die Lenz-Sieben nicht noch der eine, wohl entscheidende Treffer gelingen sollte.

Die PSV stemmte sich in einem nun packenden Spiel leidenschaftlich gegen die Niederlage, kam durch den starken Christian Jacoby per Siebenmeter und Thomas Brannekämper auf 23:25 heran, ehe Thomas Onnebrink am Pfosten des PSV-Tores scheiterte. Nervenkitzel pur!

Das Derby strebte unaufhaltsam seinem Höhepunkt entgegen, und noch immer hatte der HSC die besseren Karten, kam nach Auszeit und dem 24:25 durch Jacoby noch zweimal in Ballbesitz. Nun war es der frisch von der Bank gekommene Nick Andersen, der sich einen Pass ins Nichts leistete. Stephan Haunert, Samstag wieder der beste Süder, parierte danach gegen Jacoby und Müller, Elsen traf das Lattenkreuz, ehe Müller im vierten Versuch dann doch das 25:25 gelang.

Cengiz sieht Rot nach einem bösen Foulspiel

Wieder kam der HSC in Ballbesitz, es liefen die letzten 20 Sekunden, und wieder folgte der Ballverlust. Mit der Schlusssirene behielt Hans Müller die Nerven und traf vom Kreis zum 26:25, während bei einem Spieler die Sicherungen durchbrannten: Unmittelbar vor dem Siegtreffer traf Levent Cengiz seinen Gegenspieler Kai Sodys übel mit dem Ellbogen am Kopf.

Sodys blieb für Minuten benommen am Boden liegen, der Kiefer war offenbar ausgerenkt, später wurde er in der Kabine von den herbei gerufenen Sanitätern versorgt. Die Rote Karte für Cengiz war folgerichtig, der Kreisläufer wird nun eine Sperre abbrummen.

Ausgerechnet Cengiz, muss man sagen. Die Vorsitzenden Wolfgang Temme und Zeljko Troselj, die die Gemüter nach dem Spiel zu beruhigen versuchten, schüttelten mit den Köpfen. Vor Wochen noch war Cengiz mit Westerholter Zuschauern aneinander geraten, die den HSCler übelst beschimpft hatten. Doch davon war am Samstag keine Spur, im Gegenteil.

Gegen Rassismus und Gewalt waren beide Mannschaften vor Spielbeginn gemeinsam mit einem Plakat aufs Feld aufgelaufen. Zwar gab es auch auf Seiten der PSV ein, zwei diskussionswürdige Situationen, wie der Faustschlag von Kai Müller gegen Thomas Onnebrink in der Anfangsphase, der ungeahndet blieb, oder aber die blutige Nase, die sich Levent Cengiz am Recklinghäuser Kreis holte.

Das brutale Foul gegen Sodys kann das aber nie und nimmer rechtfertigen. Den Südern stehen schwere Wochen ins Haus, während die PSV, die zuletzt stets als Derby-Verlierer vom Feld ging, Bonuspunkte im Kampf um den Klassenerhalt einfuhr.

Statistik

PSV RE: Rietdorf, N. Bell – Brannekämper (5), Kleine (3), Sodys (1), Baum (n.e.), Stöckmann, Müller (5), de Bruyn, Jacoby (11/7), Hülsmann (n.e.), F. Bell, Elsen (1), Elpers (n.e.)

HSC Eintracht RE: Haunert, Wuttke – Witkowski (6), Ü. Cengiz, L. Cengiz (3), Clodt (6/4), Onnebrink (6), Delgado (1), Pelzer (2), Dalian (1), Rauschel, Klingenberger (n.e.), Andersen

Schiedsrichter: Kreuzer/Wandt (Dortmund)

Zeitstrafen: 3 PSV, 6 HSC

Zuschauer: 325

Spielfilm: 4:6 (12.), 6:10 (17.), 14:12 (28.), 14:14 (30.), 15:18 (38.), 18:18 (42.), 20:24 (54.), 24:25 (58.), 26:25 (60.)

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